Ich erinnere mich an eine Nacht im Herbst, als du mich gefragt hast, ob ich für das ganz Große sterben würde. Ich lief neben dir her, wir spazierten an der Elbe entlang, du wie immer mit verschränkten Armen, ich wie immer schweigend neben dir. Ich habe eine Antwort. Nein, das würde ich nicht. Ich würde dafür leben.

aus: „Wenn die Nacht am stillsten ist.“ Roman von Arezu Weitholz,
erschienen im September 2012 beim ANTJE KUNSTMANN VERLAG

Was hat dieses Land und was hat seine Menschen seit den Tagen meiner Kindheit, seit den Tagen Nassers so verändert? Ich erinnere mich an eine Zeit, in der das Krebsgeschwür der Korruption noch nicht wucherte, ich erinnere mich an einen Geist, der uns vor den Verführungen des radikalen Islamismus und vor unserer Selbstverachtung schützte. … An welcher Stelle sind wir auf die falsche Spur geraten? Wann und warum haben wir uns verraten? Was hat uns verändert und wohin werden wir nun gehen?

aus: „Es gibt nur den geraden Weg. Mein Leben als Schatzhüterin Ägyptens“ von Wafaa el Saddik,
erschienen im Mai 2013 bei KIEPENHEUER & WITSCH

Vielleicht sind die jahrzehntelangen Konflikte um das universale Welteis ja tatsächlich Ausdruck des Berauschtseins von der subversiven Attraktion des Als Ob. Des täuschend Echten, von den kleinsten Verrückungen der Tatsachen, die kaum auffallen und doch die Stelle bezeichnen, an der die Welt aus den Angeln gehoben werden könnte.

aus: „Welteis. Eine wahre Geschichte“ von Christina Wessely,
erschienen im März 2013 bei MATTHES & SEITZ

Die Wege aus der Klimafalle führen über ein neues Verständnis des Klimawandels, das nicht apokalyptisch ist, sondern ihn als Herausforderung begreift, die Welt, die wir bewohnen neu zu konzipieren.

aus: „Die Klimafalle. Die gefährliche Nähe von Politik und Klimaforschung“ von Hans von Storch und Werner Krauß,
erschienen im Februar 2013 bei HANSER

Durch das Internet sind wir alle kommunikationsgestörter geworden, wie die Fälle in meiner Praxis, aber auch Alltagsbeobachtungen zeigen. Das wirkt sich negativ auf unser Wohlbefinden und auch auf menschliche Beziehungen aus. Das Leiden ist vorprogrammiert und das psychische Störungsbild nicht weit – wenn wir nicht auf uns aufpassen.

aus: „Keine Email für Dich. Warum wir trotz Facebook und Co. vereinsamen. Aus dem Alltag einer Therapeutin“
von Franziska Kühne,
erschienen im Oktober 2012 bei TAG&NACHT

Obwohl der Staat Israel Hunderttausende Überlebende des Holocaust aufnahm und beanspruchte, ihre Interessen zu vertreten und ihnen einen sicheren Hafen zu bieten, hat die israelische Psychiatrie das Trauma der Überlebenden bis in die jüngste Zeit verkannt.

aus: „Das unselige Erbe. Die Geschichte der Psychiatrie in Palästina und Israel“ von Rakefet Zalashik,
erschienen im November 2012 bei CAMPUS

Es ist nicht besonders gewagt, wenn man behauptet, dass die Reise nach Frankreich das wichtigste Ereignis im Leben von Adam Smith wurde. Wenn die Bedeutung dieser Reise bisher kaum gewürdigt wurde, so aus dem einfachen Grund, dass die Engländer ungern zugeben wollen, dass ihr großer Ökonom aus dem Geiste des ewigen Konkurrenten geschöpft hat.

aus: „Adam Smiths Reise nach Frankreich oder die Entstehung der Nationalökonomie“ von Reinhard Blomert,
erschienen im November 2012 bei DIE ANDERE BIBLIOTHEK

Ein Gefängnis ist eine hermetisch abgeriegelte Welt. Nur bei spektakulären Zwischenfällen hebt sich der Vorhang ein wenig, die >von draußen< können einen kurzen Blick erhaschen. Wie dieser Mikrokosmos tatsächlich funktioniert, erfährt man nicht. Wie schwer es ist, den Knast im Knast auszuhalten. Die Isolation, das System der Hackordnung unter den Häftlingen, die Spannungen, die beinahe körperlich spürbar sind, sobald das Haupttor hinter einem zufällt. Was macht das mit einem Menschen, der hier einsitzt oder auch nur hinter den Mauern einer JVA arbeitet? Als Schauspieler muss ich mich mit Haut und Haaren auf eine Rolle einlassen und meine eigene Persönlichkeit zurücknehmen. Als Arzt im Knast kann ich nur bestehen, wenn ich mich selbst akzeptiere – mit all meinen Stärken und Schwächen.

aus: „Knast“ von Joe Bausch,
erschienen im März 2012 bei ULLSTEIN

Was heißt >empathischer Egoismus< genau? Wie kann eine Haltung egoistisch sein, wenn sie doch gleichzeitig der Gemeinschaft zugutekommen soll? Von Egoismus ist hier die Rede, weil es tatsächlich um die Wahrung der eigenen Interessen und Ziele geht, und zwar auch dann, wenn sie im Gegensatz zu den Interessen und Zielen anderer stehen. Dennoch nutzt diese Haltung der Gruppe. Sie verhindert nämlich erstens, dass die Gruppe sich über die Interessen und Bedürfnisse ihrer Mitglieder hinwegsetzt. Zweitens sorgt sie dafür, dass irrationale Kettenreaktionen unterbleiben, wie man sie zum Beispiel in den großen Spekulationsblasen findet. Entscheidend ist jedoch drittens, dass der empathische Egoismus auch die Interessen und Bedürfnisse der Gruppe und ihrer anderen Mitglieder wahrt. Und dies nicht etwa, weil er die eigenen Ziele opfern würde, vielmehr enthält er die Erkenntnis, dass die eigenen Interessen von denen der Gruppe abhängen und umgekehrt – schließlich liegt es im substantiellen Interesse jedes Einzelnen, in einer halbwegs funktionieren Gruppe zu leben und gute soziale Beziehungen zu haben.

aus: „Ohne Ich kein Wir. Warum wir Egoisten brauchen“ von Michael Pauen,
erschienen im April 2012 bei ULLSTEIN

Wir alle wollen
doch das Gleiche: Freunde mit
gewissen Vorzügen

aus: „Bei aller Liebe … 72 Haiku“ von Beth Griffenhagen. Aus dem Amerikanischen von Arezu Weitholz,
erschienen im Februar 2012 bei SANSSOUCI

Es darf kein Zurück geben zu einer kaltherzigen Pädagogik. Wenn das Lernen die Kinder entmündigt, statt sie zu mündigen Bürgern zu machen, verfehlt das den Sinn der Schule. Die Lehre aus den Fehlern des Laisser-faire darf nicht sein, dass die Gesellschaft nun mit einem großen Sprung hinter die Liberalisierung der Erziehung zurückfällt. Die Zauberworte der Erziehung und des Lernens sind eben nicht Gehorsam und Disziplin. Die Zauberworte sind: Liebe, Zuwendung und Zeit. Sie sind die Schlüssel, die das Tor zur Bildung öffnen. Nichts ist wichtiger, als Kindern ungeteilte Aufmerksamkeit und echtes Interesse zu schenken.

aus: „Schule ohne Angst. Wie eine Pädagogik mit Herz Wirklichkeit werden kann“ von Tanjev Schultz,
erschienen im Januar 2012 bei HERDER

Wissenschaftlern wird manchmal unterstellt, sie lebten in einem Elfenbeinturm – abgehoben von den Niederungen des Alltags und den Niederungen der Politik. Entrückt zu sein, hat aber manchmal sein Gutes. Die Wissenschaft muss frei sein von Einflussnahmen, die sie korrumpieren könnten. Sie gehorcht einer anderen Logik als die Politik, und sie muss diese Logik, ihre Regeln und Prinzipien, schützen. Im Guttenberg-Skandal geriet der Elfenbeinturm ins Wanken. Am Ende hielt er stand. Guttenberg fiel. Guttenbergs Fall ist ein Sieg der Wissenschaft.

aus: „Guttenbergs Fall. Der Skandal und seine Folgen für Politik und Gesellschaft“ von Roland Preuß und Tanjev Schultz,
erschienen im Oktober 2011 beim GÜTERSLOHER VERLAGSHAUS

Ich brauche frische Luft, um den Kopf frei zu bekommen, und weichen Waldboden unter den Füßen, der bei jedem Schritt leicht nachgibt, mich dadurch mein Gewicht spüren lässt und meine eigene Präsenz. Ich bin noch da. Ich lasse mich nicht unterkriegen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mit Schulmedizinern aneinandergerate, und es ist auch nicht so, dass ich sie nicht verstehen würde. Schließlich bin ich selbst von Haus aus Schulmediziner und kann ihre Zweifel nachvollziehen – hatte ich sie selbst doch am Anfang und habe sie zuweilen immer noch. Was ich nur schwer nachvollziehen kann ist die Verschlossenheit, Arroganz und Borniertheit, die einige meiner Kollegen an den Tag legen. Sie tun so, als wäre das westliche System der Medizin das einzig wahre. Dabei ist es relativ jung. Sie wollen nicht sehen, dass sich auf der anderen Seite der Welt über Jahrtausende ein anderes System der Heilung entwickelt hat, das einfach ganz anders an medizinische Probleme herangeht und das ebenfalls erfolgreich ist.

aus: „Wie Wunder möglich werden. Mein Weg zur chinesischen Medizin“ von Günter Gunia,
erschienen im September 2011 bei HERDER

An seinem ersten Tag im Internat macht sich Wolfgang abends im Schlafsaal mit 78 anderen Kindern fertig zum Schlafengehen. Er steht auf seinem Bett, rings herum die anderen Kinder, alle fremd, alles neu, und stellt fest, dass er sein Schlafhemd – Schlafanzüge sind nicht erlaubt – falsch geknöpft hat. Ein Pater tritt lächelnd heran, ,lass dir helfen, Bub’, sagt er väterlich und knöpft das Hemd richtig, von oben nach unten. Unten angelangt greift er Wolfgang an den Penis und streichelt ihn. Wolfgang stößt die Hand zurück und brüllt in den Schlafsaal hinein: ,Das ist ein Schwein! Das ist ein Sittlichkeitsverbrecher!’
So hat es Wolfgang, der von seiner Mutter früh über sexuelle Dinge aufgeklärt wurde, gelernt: Wenn fremde Männer einen anfassen, schreit man. Aber seine Mitschüler um ihn herum starren ihn nur verständnislos an. Der Pater zuckt zurück, reckt seinen Hals und verlässt den Schlafsaal. Von nun an hat Wolfgang es schwer am Internat im Kloster Ettal.

aus: „Bruder, was hast du getan? Kloster Ettal. Die Täter, die Opfer, das System“ von Sebastian Obermayer und Rainer Stadler,
erschienen im September 2011 bei KIEPENHEUER & WITSCH

Wir müssen unsere demokratischen Überzeugungen wieder neu für uns entdecken, bevor wir den zweiten, ebenso wichtigen Schritt gehen können: sie in die neue Zeit übersetzen. Eine Zeit, in der der Nationalstaat seine Macht heimlich, still und leise verloren hat; in der Bürger sich unter- und überfordert zugleich fühlen und die Politik ihre neue Rolle noch nicht gefunden hat; in eine spannende Zeit, die zuweilen aber bedrohlich wirkt. Die Politik wird ihrer Verantwortung derzeit nicht gerecht. Wir Bürger bekommen Antworten nur auf Fragen, die sich schon wieder erledigt haben. In der Zwischenzeit werden neue Fragen überhört. Die Gesellschaft verändert sich, die Regierenden verharren in altem Denken und alten Strukturen – nicht unbedingt aus bösem Willen, sondern weil es eben immer so war. Aber das ist falsch gedacht.

aus: „Bürger. Macht. Politik.“ von Christoph Giesa,
erschienen im August 2011 bei CAMPUS

Es war eine Taktik der Täter, ihren Opfern nur Nummern oder beleidigende Beinamen zu geben, um damit selbst Abstand von den Ereignissen zu bekommen und die Opfer zu entpersonalisieren. Dieses Buch versucht genau das Gegenteil. Ich bin fest davon überzeugt, dass man den Schmerz der Kinder und Enkel, ihre Widersprüche, ihre Konflikte, ihr Bedürfnis nach Nähe, ja, sogar ihre Liebe zu den Menschen, die sie widerrechtlich aufzogen und ihnen die Wahrheit vorenthielten, nur verstehen kann, wenn man sie kennenlernt und ihnen zuhört. Dann kann man auch ihre Wut und ihre Empörung über die Lügen verstehen, von denen sie so lange umgeben waren.
   
Manche der Schilderungen in diesem Buch mögen schmerzhaft und insbesondere für die argentinische Gesellschaft schwer zu akzeptieren sein. Sie geben jedoch von der ersten bis zu letzten Zeile das wieder, was mir meine Gesprächspartner berichtet haben.
   
All dies ist vor gerade einmal dreißig Jahren in Argentinien geschehen.

aus: Analia Argento - „Paula, du bist Laura!“ Geraubte Kinder in Argentinien,
erschienen im September 2011 beim CH. LINKS VERLAG
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